Montag, 29. September 2014

Glückstagebuch

Ich bin Sozialarbeiterin.
Eine, die Wert darauf legt, nicht die Klischees eines "typischen Sozialarbeiters" zu bedienen. Ich gehöre nicht zu der Sorte, die literweise Kaffee trinkt. Ich habe keine Dreadlocks, trage keine Birkenstocks (dann wäre ich ja wiederum Hipster) und hasse Stuhlkreise. Von Räucherstäbchen krieg ich Kopfweh, ich muss nicht mit jedem darüber reden, "was er gerade dabei fühlt" und ich habe verdammt nochmal nicht für alles Verständnis!!!

Sozialarbeiter - What I really do

Das ein oder andere Mal erwische ich mich aber dabei, wie ich ganz heimlich still und leise doch etwas gut finde, obwohl mir im selben Moment bewusst wird, dass es "typisch Sozialarbeiter"-Style ist. Wenn ich es gut finde, sehe ich über das Klischee-Ding hinweg, dann stehe ich darüber. Wenn ich etwas richtig gut finde, teile ich es.

Heute möchte ich mit Euch die Idee des "Glückstagebuch" teilen.


Wo sonst, wenn nicht auf einer beruflichen Fortbildung, ist mir dieses Instrument zum ersten Mal begegnet. Wissenschaflicher Hintergrund und Wirkweise ist die "Positive Psychologie" nach Seligman. Mir gefällt es aber besser zu sagen: "Guck doch mal, wie glücklich Du bist!"

Die Idee dahinter ist ganz einfach, pupsieinfach:
Schreibe jeden Abend drei Dinge auf, die Dich an diesem Tag glücklich gemacht haben.
Mindestens 3 Monate lang.

Seit dieser besagten Fortbildung führe ich selber ein solches Tagebuch. Irgendwie wollte ich wissen, ob es etwas in mir bewirkt oder verändert (Sozialarbeiter-Jargon: "Was es mit mir macht....").

Beobachtet habe ich 3 Dinge:
1. Das Tagebuch zwingt mich dazu, mir jeden Abend ein paar Minuten zu nehmen und den Tag bewusst zu reflektieren. Oft merke ich dann, dass ich viel mehr geschafft habe, als ich vorher dachte. Dann kann ich stolz denken: Nä, wat warste wieder produktiv heute!!!

2. Durch das Aufschreiben wird mir bewusst, dass es meist kleine Dinge sind, die mich rückblickend betrachtet ein kleines bisschen glücklicher gemacht haben. Große Gesten braucht es dazu nicht...

3. Im Verlauf der ersten Wochen habe ich gemerkt, dass ich meinen Blick auf den Alltag verändert habe. Ich bin jetzt Sammler guter Momente geworden, will täglich immer mehr gute Erlebnisse einfangen, um abends die drei Besten herauspicken zu können.

Neulich flitzte ich beispielsweise unter Zeitdruck mit Miss KAty durch die Stadt und spürte ein Magengeschwür in Sekundenschnelle wachsen, als ein Müllwagen meine Sausefahrt unterbach und quer (!!!) auf der Straße stand. Ich konnte die Gegenseite nicht einsehen und sah mich in Gedanken schon im Auto übernachten angesichts der Mengen an Mülltonnen, die es für die Herren in orange noch zu leeren galt. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr mein Herz vor Freude hüpfte, als einer der Müllmänner meine Misere erkannte, schnell um den Müllwagen lief, das Abchecken des Gegenverkehrs für mich übernahm und mich durchwinkte, als die Spur frei war.

Einen kleinen Einblick in meine persönlichen Glücksmomente (psst!!! - privat - ) geb ich Dir, aber nur kurz:

Was warst Du zuletzt glücklich und worüber? Wenn Du magst, teile Deine Glücksmomente mit uns in den Kommentaren. 

Alles Liebe 
Sandyrella

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